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Vor dem ersten Heimspiel – Ausblick mit Geschäftsführer Michael W. Schwetje

Posted on 4. August 2016 by NOFB

Am Freitag steht das erste Heimspiel des SC Fortuna Köln auf dem Spielplan. Zuvor blickt Michael W. Schwetje, Geschäftsführer der Fortuna Köln Spielbetriebsgesellschaft mbH, auf die kommende Saison. Im ersten Teil skizziert er die aktuelle Stürmersuche und die Transferaktivitäten der Fortuna.

Wie überrascht sind Sie vom Auftaktsieg beim 1. FC Magdeburg?

Wir alle sind natürlich positiv überrascht über die drei Punkte und die tolle Leistung der Mannschaft. Ich glaube zwar, dass Magdeburg sportlich durchaus mit uns auf Augenhöhe anzusiedeln ist, trotzdem ist es aber nochmal etwas anderes, vor 18.000 Zuschauern zu spielen.

Was trauen Sie der Mannschaft nach diesem Auftritt zu?

Generell finde ich es gut, dass das Trainerteam und die Spieler das Ziel haben, sich punktetechnisch zu verbessern und eine fünf vorne stehen soll. Es ist immer positiv, wenn man sich ambitionierte Ziele setzt. Ich persönlich wäre absolut zufrieden, wenn wir unser Saisonziel – den Klassenerhalt – erreichen. Dafür sollten wir so früh wie möglich 45 Punkte holen, weil die mit hoher Wahrscheinlichkeit für den Klassenerhalt reichen. Wenn es 50 Punkte oder mehr werden, umso besser.

Nach den Abgängen von Julius Biada und Marco Königs war immer klar kommuniziert, dass ein Stürmer kommen soll. Wie gestaltet sich die Suche?

Es ist eine schwierige Suche. Wir wollen einen Spieler, der die nötige Qualität mitbringt. Wenn uns der Spieler sportlich nicht weiterbringt, macht es keinen Sinn. Gerade bei Stürmern sind das wiederum Spieler in einer gewissen Preiskategorie. Bisher war es leider nie so, dass die Spieler in unseren Gehaltsrahmen gepasst hätten bzw. es gab andere Vereine, die bereit waren, noch höhere Gehälter zu zahlen.

Also ist es in erster Linie eine Frage des Geldes?

Ein Stück weit schon. Es ist aber wichtig, sich in einer klaren Gehaltsstruktur innerhalb der Mannschaft zu bewegen. Die wollen wir nicht aufbrechen, unabhängig davon, ob man sich einen einzelnen Spieler wirtschaftlich leisten kann oder nicht. Der Schaden für das Gesamtgefüge wäre meines Erachtens zu groß. Darum haben wir eine klare Obergrenze. Wenn diese trotz aller sportlichen Qualität überschritten wird, verzichten wir im Zweifelsfall lieber. Neben den finanziellen Aspekten suchen wir einen Stürmer, der für uns den Unterschied ausmachen kann. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich da in den nächsten Wochen noch einiges auf dem Transfermarkt tun wird. Wenn es am Ende aber niemanden gibt, der diese Anforderungen erfüllt, dann ist das so. Dann wird man im Wintertransferfenster wieder neu schauen.

Mit Maik Kegel hat man bereits einen Spieler mit hoher sportlicher Qualität verpflichtet, aber für das Mittelfeld. Hat der Transfer die Stürmersuche beeinflusst?

Nein. Wir hatten uns ursprünglich vorgenommen, einen Ersatz für Julius zu verpflichten. Nachdem Marco zu den Würzburger Kickers gewechselt ist, haben wir zusätzlich noch einen Zentralstürmer gesucht. Mit Marc Brasnic glauben wir hier eine gute Lösung gefunden zu haben. Die Verpflichtung von Maik Kegel war nur möglich, weil wir eine Ablöse von Würzburg erhalten haben. Ansonsten hätte Maik nicht mehr ins Budget gepasst und wir hätten den Transfer nicht durchführen können. Insofern hatten wir eigentlich nicht vor, auf dieser Position jemanden zu verpflichten. Als durch den Transfer aber die finanzielle Möglichkeit gegeben und gleichzeitig ein Qualitätsspieler wie Maik Kegel auf dem Markt war, haben wir zugeschlagen.

Hat sich der Etat der Fortuna in dieser Saison verändert?

Unsere ursprüngliche Planung war, den Personalaufwand in einem einstelligen Prozentsatz zu erhöhen. Durch den Verkauf von Marco und die Verpflichtung von Maik haben wir unser Budget noch einmal etwas nach oben nachgebessert.

Können Sie die wirtschaftliche Entwicklung der Fortuna in der letzten Saison skizzieren?

Wir sind der schwarzen Null näher gekommen, haben sie aber noch nicht erreicht. Wahrscheinlich werden wir es auch diese Saison noch nicht ganz schaffen, den Break-Even zu erreichen. Für eine abschließende Einschätzung ist es aber noch zu früh. Man muss aber auch klar sagen: Wenn wir bei den Einnahmen mit dem durchschnittlichen Drittligisten auf Augenhöhe sein wollen, liegt noch eine gute Strecke vor uns. Eine große Problematik ist sowohl bei den Zuschauer- als auch den Sponsoreneinnahmen die Infrastruktur des Stadions. Trotz der neuen VIP-Bereiche haben wir aktuell nicht die Einnahmepotentiale anderer Drittligisten. Wir können den Gap sicherlich noch weiter schließen, letzten Endes werden wir aber immer limitiert bleiben. Auf der anderen Seite sind wir aber im Vergleich zu anderen Vereinen bei den Ausgaben im Verwaltungsbereich und anderen Kostenpositionen viel schlanker aufgestellt. Daher glaube ich, dass es bei positiver Umsatzentwicklung und weiterhin schlanker Kostenstruktur möglich ist, in den nächsten zwei bis drei Jahren einen Personaletat für die Mannschaft zu haben, der dem eines durchschnittlichen Drittligisten entspricht.

Gibt es kurzfristige Möglichkeiten sich zu verbessern oder läuft alles auf eine neue Tribüne im Südstadion hinaus?

Wir sind im Bandenbereich noch nicht ausvermarktet und man kann auch im VIP-Bereich noch zusätzliche Kapazitäten schaffen. Irgendwann werden aber Limits erreicht sein und trotzdem werden wir auf der Einnahmenseite noch nicht wirklich wettbewerbsfähig sein. Um einen wirklich großen Schritt machen zu können, brauchen wir eine neue Haupttribüne. Dies würde uns ganz andere Vermarktungsmöglichkeiten bieten. Wir könnten die Anzahl an Business-Seats erhöhen und auch höhere Preise wären in einem solchen Szenario zu rechtfertigen. Nur wenn uns das gelingt, können wir bei den Sponsoreneinnahmen mit den Topclubs der dritten Liga konkurrieren. Dazu würden sicherlich auch steigende Zuschauererlöse kommen, wobei wir hier wohl auch perspektivisch lediglich im unteren Mittelfeld der Liga platziert sein werden.

Das klingt nach einer vielversprechenden Vision.

Das ist natürlich sehr weit in die Zukunft gedacht. Ich bin aber der festen Überzeugung: Nur wenn wir eine neue Haupttribüne haben, kann die Fortuna ihr Budget so erhöhen, dass wir auf Sicht auch realistisch weiter oben mitspielen können. Im Sport ist zwar immer alles möglich, aber wenn man nicht Träumereien unterliegen möchte, kann ein Aufstieg in die zweite Liga nur in einem solchen Szenario überhaupt angedacht werden. Deswegen ist es mir in dieser Saison auch so wichtig, die Infrastruktur zumindest konzeptionell weiter voran zu bringen.

Über welchen Zeitraum sprechen wir bei der Tribüne?

Das ist aktuell schwer zu sagen. Wir möchten in dieser Saison in Zusammenarbeit mit der KSS zumindest eine Machbarkeitsstudie durchführen, um zu bewerten über welche Investitionssumme wir überhaupt reden und, ob die dann deutlich erhöhten Mietkosten für das Stadion auch refinanzierbar sind. So lange hier nicht belastbare Zahlen auf dem Tisch liegen und dann auch ein Signal aus der Politik kommt, inwiefern ein solches Vorhaben unterstützt wird, ist alles weitere nur Spekulation. Dieses Thema hat neben dem Klassenerhalt für mich eine überragende Bedeutung, weil es für die mittelfristige wirtschaftliche und damit auch sportliche Perspektive der Fortuna essentiell ist.

Es wird im Business-Bereich viel geboten bei der Fortuna und es ist auch einer der Hauptgründe, einen Tribünenbau voranzutreiben: Können Sie den einfachen Fortuna-Fan verstehen, wenn er sagt, er kommt zu kurz?

Emotional kann ich das nachvollziehen, wir können aber nicht alle Baustellen gleichzeitig bearbeiten. Wir haben analysiert, dass für uns in der Weiterentwicklung der Sponsoringumsätze aktuell der deutlich größere Hebel liegt und dies wird sich zunächst auch nicht ändern. Mit den uns zur Verfügung stehenden finanziellen und personellen Ressourcen ist es schwierig, das Thema Zuschauergewinnung sinnvoll voranzutreiben. Einzelmaßnahmen, die aber dennoch Zeit und Geld kosten, verpuffen und bringen uns nicht weiter. Und einen großen Aufschlag schaffen wir derzeit nicht. Er würde sich unter den aktuellen infrastrukturellen Gegebenheiten leider auch nicht rechnen, da die dadurch erzielbaren zusätzlichen Ticketerlöse auch dauerhaft unter den erforderlichen Marketingausgaben/Personalkosten liegen würden. Verstehen kann ich die Fortuna-Fans dennoch sehr gut.

Nach Highlights wie gegen den 1. FC Köln vor knapp 6.000 Zuschauern oder dem Sieg in Magdeburg vor knapp 18.000 Zuschauern: Frustriert dann nicht manchmal die geringere Zuschauerzahl im Südstadion?

Natürlich würde ich es mir auch anders wünschen. Es frustriert mich allerdings nicht, da ich die Rahmenbedingungen kenne. Es gibt einen Unterschied zwischen Magdeburg mit nur einem großen Fußballverein und Köln, wo der 1. FC Köln im Mittelpunkt des Interesses steht. Wir haben trotzdem im Vergleich zur Regionalliga einen sehr ordentlichen Sprung gemacht und sehr viel mehr ist beim aktuellen Stadion auch nicht drin. Man muss das akzeptieren und sehen, dass man kurzfristig aus den Dingen, die man hat, das Beste macht und gleichzeitig an der Verbesserung der Perspektive arbeiten.

Am Freitag steht das erste Heimspiel an. Was wünschen Sie sich?

Ich wünsche mir sportlich natürlich drei Punkte. Man muss aber aufpassen, nicht zu sagen „jetzt haben wir in Magdeburg gewonnen, da wird Bremen ganz einfach.“ Es wird alles andere als einfach. Es wird ein komplett anderes Spiel werden. Ansonsten würde ich mich freuen, wenn wir bei der Zuschauerzahl 2.000 plus X hätten, anstatt 2.000 minus X.

Fortuna

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