Hin und wieder zieht jeder Mensch Bilanz, lässt Vergangenes Revue passieren und überlegt, was in Zukunft noch getan werden muss. Auch Organisationen überprüfen auf diese Weise, ob Zielstellungen erreicht oder verfehlt wurden. So auch die Fangemeinschaft Dynamo.
Nun sollte eine solche Selbstreflektion ehrlich und schonungslos erfolgen, um einen Sinn zu ergeben. Konsequent wurden in den vergangenen zwei Monaten Gespräche gesucht, Anfragen gestellt und eine interne Auseinandersetzung mit den Ergebnissen des letzten Jahres der Fangemeinschaft Dynamo geführt.
Mehrere Außenstehende, darunter auch einige Mitarbeiter der SG Dynamo Dresden, haben uns zu verstehen gegeben, dass unser Umgang mit verschiedenen Themen äußerst skeptisch betrachtet und die Fangemeinschaft Dynamo mehr und mehr als Quertreiber betrachtet wird. Dass dies absolut im Kontrast zum Anspruch der Fangemeinschaft Dynamo steht, konsequent konstruktiv und mit fairen Mitteln bestimmte Veränderungen zu erreichen, muss an dieser Stelle vermutlich nicht weiter erwähnt werden. Interessant ist allerdings, wie reagiert wird, wenn wir unseren eigenen Satzungszweck zu erfüllen suchen, der die Vertretung von Faninteressen durch den Dachverband aller Fans vorschreibt. Nimmt man diese Reaktionen als Barometer für die Zielstrebigkeit der Fangemeinschaft Dynamo, scheint unsere Arbeit nicht ganz so wirkungslos zu sein, wie oftmals angenommen. Im letzten Jahr hat der Dachverband eine nicht unwesentliche Zahl neuer Mitglieder aufnehmen können, akribische Detailarbeit zum Thema Sektorentrennung gegen jede Ignoranz und gegen jede entlarvte Lüge geleistet und sich für banal erscheinende Dinge wie eine Vereinsheimat, den dynamischen Nachwuchs oder soziale Projekte eingesetzt – alles Interessen der Fans der SG Dynamo Dresden.
Dennoch mussten wir erfahren, dass innerhalb Dynamos die Fangemeinschaft Dynamo vor allem dann als Partner angesehen wurde, wenn es galt, Schaden vom Verein abzuwenden. Bei allen Punkten, die die darüber hinausgehenden Interessen der Fans betreffen, gab es keinerlei nennenswerte Ergebnisse. So sind die Sektorentrennungen nach wie vor geschlossen, Zaunfahnenplätze weiter verloren gegangen – auch wenn hier nach einer Kompromisslösung gesucht wird, die aber eben nicht bedeutet, dass in Zukunft Zaunfahnen da hängen dürfen, wo sie hingehören – das Thema Steinhaus versickert in unergründlichen Tiefen, Vorschläge aus dem Konzeptentwurf zur präventiven Fanarbeit wurden bisher weder umgesetzt, noch diskutiert, Topzuschläge sind leider keine Ausnahme mehr und die Kommunikation innerhalb des Vereins tendiert gegen Null. All diese Themen spricht die Fangemeinschaft Dynamo immer wieder an. Und wir tun dies nicht, um den Titel ‚größte Zicke bei Dynamo‘ zu gewinnen, sondern einfach nur, weil wir es tun müssen.
Im Augenzeugen Nr. 54 haben wir die Topzuschläge thematisiert und darauf hingewiesen, dass vor allem der zeitliche Zusammenhang mit gerade erbrachten, sensationellen Sonderleistungen der Fans mehr als unglücklich war. Statt diesen Hinweis ernst zu nehmen, gab es die höhnische Antwort via Pressemitteilung, dass auch gegen den FC St. Pauli ein Topzuschlag erhoben wird und dieses Mittel in Zukunft weiterhin zur Sicherung der stabil bleibenden Eintrittspreise genutzt werden soll. Natürlich hat dazu seitens der Geschäftsführung niemand mit der Fangemeinschaft Dynamo gesprochen. Dies ist allerdings deshalb überraschend, weil die Fangemeinschaft Dynamo die protokollierte Zusage erhalten hat, dass es in der Rückrunde nur noch ein Spiel mit Topzuschlag geben soll. Sicher wissen auch wir, dass der Geschäftsführer inzwischen ein anderer ist. Dennoch erwarten wir, dass Zusagen nicht von Personen abhängen, sondern eingehalten werden, egal wer gerade Geschäftsführer ist. Ohne diese Verlässlichkeit erübrigen sich weitere Absprachen. Offensichtlich ist nicht die Fangemeinschaft Dynamo diejenige, die Vertrauen gewinnen muss. Denn wir haben mindestens im letzten Jahr alle unsere Zusagen eingehalten.
Wir wünschen uns nicht nur eine Rückkehr zur konstruktiven Kommunikation, sondern auch eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Themen, die die Fans interessieren. Wir wünschen uns, dass man in der Geschäftsstelle den Wert der Fans dieses Vereins erkennt und man endlich wieder versucht, miteinander etwas Unglaubliches zu erreichen. Denn nur so hat dieser Verein eine Chance dazu.
Fangemeinschaft Dynamo
