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„Sandhausen ist ein schlafender Riese, da kann man noch einiges bewegen“

Posted on 24. Juli 2008 by NOFB

In der Sommerpause ist Michael Gurski von der TuS Koblenz zum SV 1916 Sandhausen gewechselt. Der 29-jährige Keeper kann bisher auf zwanzig Zweit- und 59 Regionalligaeinsätze für die SpVgg. Unterhaching, den SC Borussia Fulda und eben die TuS Koblenz zurückblicken und will nun mit Sandhausen in der dritten Liga angreifen. Bevor es nun am kommenden Samstag endlich wieder um Punkte geht, stand Gurski für ein Interview zur Verfügung.

Guten Tag, Michael Gurski, wie gefällt es Ihnen in Sandhausen, wurden sie gut aufgenommen?

Ich fühl mich sehr wohl, die Mannschaft ist intakt.

Sind Sie zufrieden mit der Testphase?

Die Ergebnisse sind zufriedenstellend, das sollte oder darf man aber nicht überbewerten. Test ist Test, am Samstag sieht man mehr.

Wo sind Ihre Stärken und Schwächen als Torhüter?

Das sollen andere beurteilen, für mich ist einfach wichtig, dass ich der Mannschaft durch meine Erfahrung und Auftreten helfen kann und wir zusammen eine gute Runde spielen. Das Torwartspiel allgemein ist sehr komplex geworden, es ist wichtig, dass du überall eine gewisse Autorität ausstrahlst.

Sie kommen ausm Ländle, spielten zu Beginn bei Stuttgarter Kickers und Reutlingen, wechselten dann nach Haching, zuletzt Koblenz, haben Sie sich den Sprung in Liga eins erhofft?

Ziel eines Fußballspielers muss sein, irgendwann in der ersten Liga zu spielen, bis jetzt ist mir das noch verwehrt geblieben. Ich habe bei drei Vereinen zweite Liga gespielt, auch Regionalliga, hab bei allen Mannschaften meinen Beitrag geleistet und kenne mich in den zwei Ligen gut aus, mal schauen, was die dritte Liga bringt.

Sie waren einige Jahre Stammtorhüter in Koblenz, zur Zweitligarückrunde 2006 wurden Sie trotz guter Leistung von Eilhoff abgelöst, wieso kam es dazu?

Das war für mich damals eine schwierige Situation, ich habe für Koblenz ca. 80 Spiele als unumstrittene Nummer eins am Stück gemacht. Ich weiß nicht genau, was dann passiert ist, aber leistungstechnisch war meine Rausnahme nicht begründbar. Für mich ist das abgehakt, im Endeffekt bin ich jetzt in Sandhausen. Und Sandhausen ist ein schlafender Riese, da kann man noch einiges bewegen und das ist genau meine Aufgabe.

Was reizte Sie genau am Umfeld Sandhausen, was war ausschlaggebend für den Wechsel?

Sicher ist Sandhausen nicht vergleichbar mit den großen Namen des deutschen Fußballs, aber genau das ist die Chance, bundesweit zu zeigen, was hier für gute Arbeit geleistet wird, was der Trainer und die Mannschaft leistet. Wenn der Funke von der Mannschaft auf die Fans überspringt, dann ist viel – sogar vielleicht alles möglich.

Man kann sagen, ein Neuanfang für Sie in Liga drei und kein Abstieg?

Im Gegenteil, ich denke, man kann auch nicht sagen, ob zweite oder dritte Liga besser ist als die andere. Die Liga ist dieses Jahr von den Namen her nicht schlechter als die zweite Liga. Es ist für Sandhausen und mich eine Riesenchance zu zeigen, was hier passiert. Als ich nach Koblenz wechselte, war es vergleichbar, ich wurde gefragt „warum Koblenz?“, die waren gerade aus der Oberliga aufgestiegen, jedenfalls meinte ich, mein Ziel ist es, in den bezahlten Fußball zu kommen und zwei Jahre später hatte ich es mit Koblenz auch geschafft. Wenn wir hier eine Einheit sind, wird es hier für alle Mannschaften schwer zu punkten.

Was glauben Sie, wo steht der SV am Ende?

Sandhausen steht auf jeden Fall überm Strich. Man muss sehen, wie stark die Mannschaften sind, aber ich sag es noch mal, ich würde hier als Gegner nicht gerne spielen.

Ihre persönlichen sportlichen Karriereziele für die Zukunft?

Solange ich Fußball spielen kann, will ich das tun, das ist mein Traumberuf. Mein persönliches Ziel ist es hier wie gesagt beizutragen, dass Sandhausen nächstes Jahr in aller Munde ist.

Bauen Sie schon für die Zeit nach der Karriere vor?

Man muss sich Gedanken machen, was nach der aktiven Zeit passiert. Ich kann jedem nur raten, nicht blind vertrauen, dass es sportlich immer gut läuft. Verletzt ist man schnell oder es kommen andere Dinge hinzu. Irgendwo am Rande des Fußballplatzes will ich mein neues Aufgabenfeld finden, Trainer aber nicht, eher Management.

Was sind so ihre Hobbys?

Ich bin ein Mensch, der abseits des Platzes den Ausgleich sucht. Als Torwart ist man vielen Drucksituationen ausgesetzt, man muss ständig präsent sein, von daher sind meine Hobbys mehr zum Ausgleich da. Mit meiner Lebensgefährtin gehe ich mal einen Kaffee trinken, wir schauen uns die Gegend an. Heidelberg ist eine tolle Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten.

Eher introvertiert das Ganze?

Ja, genau. Auf dem Platz bin ich eher dominant, muss wie ein Einzelkämpfer auftreten, das ist meine Art zu spielen. Vergleichbar mit Olli Kahn, der auf dem Platz auch für sich ist, nebenher versuche ich dann das Gleichgewicht in trauter Zweisamkeit zu suchen.

Ist Oliver Kahn so was wie ein Vorbild?

Das nicht, man orientiert sich schon auch an anderen, versucht zu sehen, wie andere mit Situationen umgehen und Olli Kahn war in seiner aktiven Zeit Paradebeispiel dafür, was es heißt, Fußball zu leben. Es bringt mir nichts, wenn ich im Training 60 Minuten mein Pensum herunterspule, dann dusche, nachhause gehe und abschalte, sondern ich beschäftige mich 24 Stunden mit dem Job hier.

Michael, vielen Dank und einen guten Start am Samstag!

Alexander Münch

Zu den Ansetzungen der dritten Liga

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