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„Das Erreichen der Regionalliga war unheimlich wichtig für den Verein“

Posted on 26. Juni 2008 by NOFB

Unser User ‚Frank_VFC’ gehört zu den Urgesteinen in unserem Diskussions-Forum. Bereits im Februar 2003 registrierte er sich auf unserer Seite und schon davor war er als Betreiber des Oberliga-Forums vielen unserer Mitglieder bekannt. Seit den 90er Jahren hält Frank zu seinem Heimatverein, dem VFC Plauen. Wie er zu diesem kam und was er seither mit diesem erlebte, steht in seinen Antworten auf unsere Fragen.

Wie ist Deine Leidenschaft für den Fußball entstanden und wer hat Dich eigentlich zum Fußball gebracht?

Andy Brehme war’s! Mit dem verwandelten Elfer im Finale von Rom war ich endgültig dem Fußball verfallen. Vorher hat mich das Desinteresse meiner Familie und meine gnadenlose Unsportlichkeit – in der Schule wurde ich immer als Letzter in eine Mannschaft gewählt – davon abgehalten, mich näher mit dem schönsten Spiel der Welt zu beschäftigen.

Für welchen Verein schlägt Dein Herz und warum – was verbindet Dich mit Deinem Verein, wie und wann wurdest Du Fan?

Zu Beginn der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts war unser Sportlehrer ein Mann namens Peter Weck und dieser versuchte – eher durchschnittlich erfolgreich – nebenbei einen Verein zu trainieren, der sich VFC Plauen nannte. Damit war der erste Kontakt hergestellt.

Es dauerte dann noch einige Zeit, bis der Funke richtig übersprang. Irgendwann in der Saison 1993/1994 muss wohl mein erster Stadionbesuch gewesen sein. 1996 kam dann der Aufstieg in die Regionalliga und damit war ich auch regelmäßig bei Heimspielen und oft auch bei Auswärtsspielen dabei. Da ich seit 1996 nicht mehr in Plauen lebe, ist der VFC für mich immer auch eine gute Gelegenheit gewesen, den Kontakt zur Heimat aufrechtzuerhalten und ein wenig Lokalpatriotismus in der Fremde zu verbreiten.

Welche Erinnerung hast Du noch von den ersten Spielen, was war das für Dich damals für ein Erlebnis?

An die ersten Spiele im Vogtlandstadion kann ich mich kaum erinnern. So richtig emotional bei der Sache war ich damals noch nicht. Das kam erst mit dem Aufstieg des VFC in die Regionalliga. Typisch Erfolgsfan halt. Hängen geblieben ist dann der erste Auswärtssieg in der Regionalliga. Der kam erst spät in der Hinrunde und war heiß ersehnt. Wir waren mit ca. 50 Leuten zu Gast beim Spandauer SV und gewannen bei Eiseskälte glorreich mit 1:0. Weder die Atmosphäre noch das ‚Stadion’ waren sonderlich beeindruckend, aber trotzdem blieb mir dieses Spiel bis heute in Erinnerung. Wir waren damals in den meisten Spielen der große Außenseiter und durften uns als Favoritenschreck betätigen. Eine schöne Zeit, die 1999 leider mit dem – durch die Regionalliga-Reform erzwungenen – Abstieg endete.

Wie zufrieden bist Du mit der aktuellen Leistung Deines Vereins, was lief in dieser Saison gut, was hätte besser klappen können?

Am Erfolg gemessen, gibt es nichts zu meckern. Das Erreichen der Regionalliga war unheimlich wichtig für den Verein und es bietet eine große Chance, sich überregional zu etablieren. Die spielerische Leistung des Teams blieb allerdings über weite Strecken der Saison unterirdisch. Eine Mischung aus Erfolgsdruck und Unvermögen brachte der Mannschaft viel Kritik ein. Zur Recht, da viele Spiele für den gemeinen Fan unerträglich waren. Der vom neuen Trainer Andreev versprochene Offensivfußball wurde höchstens in einer Handvoll Spielen gezeigt. Dafür hätte es keines Trainerwechsels bedurft.

Wie soll es in der nächsten Saison weitergehen, was erwartest Du von Deinem Verein und in welchen Bereichen sollte es besser laufen?

Die Personalpolitik des Vereins ist derzeit schwer durchschaubar. Beide Torhüter und sechs Feldspieler wurden nach dem ‚Aufstieg’ aussortiert. Darunter einige Publikumslieblinge. Ich bin gespannt, mit welchen Spielern das kompensiert werden soll. Ein Mittelfeldplatz in der neuen Liga wäre schön, es könnte aber auch eine Saison mit Kampf gegen den Abstieg werden. Und dann ist zu befürchten, dass gerade die Spieler fehlen werden, die sich mit dem Verein identifizieren und die bei den Fans anerkannt sind.

Was waren die schönsten und welches die erschütterndsten Erlebnisse mit Deinem Verein und anderen Fans?

Die schönsten Erlebnisse waren sicher die Pokalsiege gegen Aue (1999) und Dresden (2004). Beides Heimspiele vor voller Hütte gegen favorisierte Gegner. In Erinnerung geblieben ist natürlich auch das Regionalliga-Heimspiel gegen Dynamo Dresden im Winter 1997. Wir lagen zur Halbzeit gegen den haushohen Favoriten 0:3 zurück und boten dann eine sensationelle Aufholjagd zum 3:3. In der letzten Minute gab es sogar noch die Chance zum Siegtreffer durch einen Elfmeter, der aber vergeben wurde. Ein Jahr später klappte es dann besser und Dynamo wurde mit 3:0 nach Hause geschickt. Aus der jüngeren Vergangenheit blieb vor allem der Auswärtssieg in Jena am Ende der Saison 2003/2004 in Erinnerung, der uns den Weg zum Oberliga-Staffelsieg ebnete. Ein unheimlich spannendes Spiel mit vielen und ungewöhnlich lauten VFC-Fans, die nach dem 1:0 durch Kellig aus dem Feiern kaum mehr rauskamen.

Tiefpunkt meiner Fanzeit war der Spielabbruch in Eilenburg in der vergangenen Saison. So etwas möchte ich bitte nicht noch einmal erleben.

Was macht Dich zu einem echten Fußball-Fan, wie siehst Du andere Fans?

Jeder definiert sein Fansein anders. Das zu bewerten, artet oft in kindische Diskussionen aus. Daher lass’ ich das lieber bleiben.

In den letzten Jahren kam im Fußball immer wieder das Thema ‚Gewalt und Rassismus’ auf. Wie sind Deine Erfahrungen zum Thema und wie siehst Du die Probleme zwischen Fans und Ordnungskräften?

Zur Gewalt nur so viel: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Es ist schade, dass kein Fußballspiel mehr ohne Polizeipräsenz stattfinden kann. Ich denke nicht, dass das Schuld der Polizei ist.

Ein weiteres aktuelles Thema ist kommerzielle Entwicklung des Sports, wie stehst Du dazu?

Es ist nicht schön, aber unvermeidlich. Der Fußball ist Teil der Gesellschaft und damit auch Teil des Wirtschaftssystems. Und dort werden die belohnt, denen es gelingt, aus dem Vorhandenen das Maximale rauszuholen. Insofern entspricht die Marktwirtschaft auch einem sportlichen Wettbewerb und passt damit viel besser zum Sport, als Sozialismus und Planwirtschaft. Ich sehe meinen Verein lieber mit wenig Geld in der vierten Liga, als dass ich eines Morgens feststellen müsste, dass mein Verein aus politischen Gründen an die Ostseeküste versetzt wurde.

Bist Du von anderen Fangruppen beeindruckt – wenn ja, von welchen und warum?

Nein.

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