Thomas Wolter, Trainer der Regionalligamannschaft und Verantwortlicher für den gesamten Nachwuchsbereich beim SV Werder Bremen ist inzwischen seit 24 Jahre im Verein. Im Interview mit die-fans.de spricht er über seine Anfänge im Fußball, warum er nicht in seiner Heimatstadt Hamburg geblieben ist, über seine Arbeit als Trainer, den Ärger mit dem VfB Stuttgart beim DFB-Pokal und über die Qualifikation für die dritte Liga.
Herr Wolter, wie kamen Sie damals zum Fußball?
Das ist ja schon eine Weile her. Ich habe angefangen, mit sechs, sieben Jahren Fußball zu spielen. Der Hauptauslöser war, dass mein Vater und mein Bruder auch Fußball gespielt haben. Das zweite war die Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko. Da bin ich das erste Mal so richtig mit Fußball in Berührung gekommen, habe Fußballspiele gesehen und bewusst wahrgenommen. Das hat mir so gut gefallen, dass ich angefangen habe, auf der Straße Fußball zu spielen und ein Jahr später habe ich dann im Verein angefangen.
Sie hatten in Ihrer Karriere als Spieler einige Höhepunkte. Was war für Sie der größte persönliche Erfolg oder Moment?
Letztendlich waren alle Siege, die wir mit Werder Bremen erzielt haben, große Erfolge. Jeder einzelne Erfolg für sich, hat eine wunderbare Geschichte. Woran ich mich natürlich am meisten erinnere, ist die Meisterschaft von 1993. Beim letzten Spiel, das wir 3:0 in Stuttgart gewonnen haben, habe ich ein Tor selbst geschossen und eins vorbereitet. Das ist das, was bei mir am meisten hängen geblieben ist. Aber wie gesagt, jeder Triumph war eine schöne Sache für sich, sei es der Europapokal 1992 oder auch die anderen Pokalsiege. Aber jeder einzelne Erfolg hat seine eigene Geschichte, deswegen würde ich die Sache 1993 in Stuttgart zwar etwas herausheben, aber letztendlich denke ich an jede schöne Geschichte gern zurück.
Geboren sind Sie ja in Hamburg. Wie kamen Sie dann nach Bremen? Gab es dort zufällig bessere Angebote oder hatten Sie auch persönliche Präferenzen?
Man muss sehen, dass in der Zeit, in der ich zu Werder Bremen gekommen bin, 1983/84, der HSV in Europa sehr weit vorne war. 1983 waren sie Europapokalsieger und sind Landesmeister geworden. Dementsprechend war das Niveau innerhalb der Mannschaft und auch das, was sie an Neuzugängen da hatten, sehr hoch. Damals wurden eben keine jungen Talente nach Hamburg geholt, um sie dort aufzubauen. Ich hatte dann die Möglichkeit bei Werder Bremen ein Probetraining zu machen und das habe ich auch angenommen. Daraufhin wurde ich dann von Werder Bremen mit einem Vertragsangebot nach Hause geschickt. Das war eine sehr witzige Geschichte, denn es ging alles relativ schnell. So schnell, dass mich auf einmal auch Schalke 04 und der HSV haben wollten. Aber ich habe mich dann damals aus dem Bauch heraus für Werder Bremen entschieden weil ich das Gefühl hatte, ich habe dort die besseren Chancen und Aufstiegsmöglichkeiten, um mich als Bundesligaspieler zu etablieren.
Ich wäre allerdings auch genauso gerne in meiner Heimatstadt Hamburg geblieben, die ich nach wie vor liebe, weil es eine tolle Stadt ist. Damals habe ich mich aber für Werder Bremen entschieden und mittlerweile kann man glaube ich sagen, es war die richtige Entscheidung. Ich bin jetzt seit 24 Jahren im Verein und habe viele Erfolge feiern können. Ich habe meine Frau hier kennen gelernt, meine Kinder sind hier geboren, insgesamt war es also eine rundum gelungene Geschichte für mich.
War Ihnen von vornherein klar, dass Sie nach Ihrer Spielerkarriere Trainer werden wollen?
Überhaupt nicht. Ich wollte eigentlich in meinen normalen Beruf wieder zurück. Ich habe ja Versicherungskaufmann gelernt und in meiner aktiven Zeit immer gesagt: „Ich mache sowieso keinen Trainer. Ich gehe wieder in meinen normalen Beruf zurück.“
Aber je näher das Karriere-Ende rückte, desto mehr musste ich mich damit auseinander setzen und ich hatte eigentlich gar keine Lust mehr, mich nur noch ins Büro zu setzen. Das war nicht mehr meine Welt. Ich hatte vierzehn Jahre Profi-Fußball hinter mir, hab vierzehn Jahre lang mein Hobby zum Beruf machen können und das wollte ich nicht so ohne weiteres aufgeben. Damals kam dann das Angebot des Vereins, dass ich noch ein bisschen als Spieler bei der Amateur-Mannschaft mit aushelfen könnte. Aber eigentlich sollte ich als Co-Trainer von Thomas Schaaf an den Trainer-Job herangeführt werden. Erst habe ich lange überlegt, ob ich das machen soll, dann habe ich es gemacht und ich habe relativ schnell gemerkt, dass das auch etwas für mich ist.
Was macht Sie als Trainer aus?
Das ist ganz schwer zu sagen. Über sich selbst etwas zu sagen, ist immer schwer. Ich denke für mich ist wichtig, dass ich tagtäglich bei den Spielern sein kann und dass ich alles dafür getan habe, dass es innerhalb der Mannschaft und des Vereins gut läuft. Ich bin ja nicht nur Trainer der Regionalliga, sondern auch Nachwuchs-Cheftrainer, dass heißt für ganzen Nachwuchsbereich bei Werder Bremen zuständig. Zu wissen, dass es läuft und ich meinen Teil dazu beigetragen habe, das ist für mich wichtig.
Was darüber hinaus prägnant ist an meiner Arbeit und wie ich bin, das müssen andere beurteilen. Für mich ist wichtig, dass ich bei all dem ich selbst bleibe, dass ich mich nicht verstelle und meine, ich muss jetzt irgendwelche Sachen, die ich mal bei anderen Trainern gesehen habe, übernehmen. Ich denke, das ist das Wichtigste, dass ich wirklich ich selbst bin. Alles Weitere müssen wie gesagt andere beurteilen.
Sie haben auf der letzten Pressekonferenz gesagt, dass Ihnen die Qualifikation für die dritte Liga viel wichtiger ist als die aktuelle Position des ersten Tabellenplatzes. Sind Sie nicht dennoch ein wenig stolz auf den aktuellen Posten?
Ich bin insofern stolz darauf, dass meine Meinung bestärkt wurde, dass wir eine gute Mannschaft haben. Dass wir jetzt gleich auf dem ersten Platz sind, damit konnte keiner rechnen. Aber ich denke, wer diese und die letzte Saison bei uns verfolgt hat, der hat schon gesehen, dass da bei Werder Bremen eine ganze Menge heranreift, vor allem bei den Spielern, die wirklich, gewisse Qualitäten haben. Wir haben dieses Jahr im Pokal auch schon gezeigt, wie gut wir sind. Wir sind ja beim DFB-Pokal ziemlich weit gekommen und haben auch in der Meisterschaft gezeigt, dass wir gut dabei sind. Aber das ist eben nur das Eine. Das Andere ist, dass wir letztendlich noch nichts erreicht haben. Wir haben zwar bis jetzt alles ganz gut gespielt aber erreicht haben wir noch gar nichts. Erreicht haben wir erst dann was, wenn wir die Qualifikation für die dritte Liga geschafft haben. Es ist sehr schön jetzt im Moment aber wir müssen eine ganze Menge dafür tun, dass wir dann auch aufsteigen.
Wie Sie vorhin selbst gesagt haben, sind Sie jetzt seit 24 Jahren bei Werder Bremen. Können Sie sich vorstellen noch mal woanders hinzuwechseln?
Man kann sich ja vieles im Leben vorstellen. Es ist ja in jedem Beruf so, dass man gerne höher hinaus möchte. Deshalb kann man sich auch immer vorstellen, noch mal was anderes zu machen. Diese Frage stellt sich aber im Moment nicht für mich. Ich habe zwischendurch zwar auch mal wieder einige Anfragen gehabt, aber ich habe bei Werder Bremen einen Vertrag bis 2010. Wir wollen unbedingt aufsteigen und wenn wir das nächstes Jahr geschafft haben, dann möchte ich das auch genießen und mit der Mannschaft in der dritten Liga spielen. Ich habe einfach Lust, dann dabei zu bleiben und das, was wir uns erarbeitet haben auch auszukosten.
Hätten Sie dennoch einen Traum, vielleicht irgendwo im Ausland eine Mannschaft zu trainieren?
Ich habe eigentlich nur einen Traum und das ist ewig gesund zu bleiben. Aber das wird vermutlich schwierig.
Eine Frage zum Achtelfinale des DFB-Pokals: Damals gab es Ärger mit dem VfB Stuttgart-Trainer Armin Veh, aufgrund der Zuweisung zu kleiner Unkleidekabinen und eines Rasenplatzes zur Aufwärmung, der vom Spieler Gomez als „Acker“ bezeichnet wurde. Wie kam es dazu?
Wir weichen mit der U23 öfter mal ins Stadion aus, wenn Mannschaften kommen, die viele Zuschauer mitbringen. Wir haben es gehalten wie immer und Umkleidekabinen genommen, die wir immer haben, in der Leichtathletik-Halle. Auch wir haben uns dort umgezogen, da wir sonst bei den Profis die ganzen Kabinen ausräumen müssten. Das wäre alles zuviel Aufwand gewesen. Es waren wie gesagt die Kabinen, die wir immer nutzen, wenn wir im Stadion spielen, sowohl für uns, wie für den Gegner auch.
Darüber hinaus machen wir uns immer auf unserem Nebenplatz 6 und 7 warm. Das ist kein Acker, sondern ein ganz normaler Trainingsplatz, der auch sehr gut ist. Da trainieren teilweise auch unsere Profis drauf. Deswegen habe ich die Aufregung nicht ganz verstanden, zumal Stuttgart auch vorher informiert wurde. Es war eigentlich klar, das Stuttgart damit einverstanden ist. Da waren wir dann ein bisschen Perplex, dass Stuttgart so reagiert hat. Aber gut das war so, sie waren halt ein bisschen angesäuert und das ist schon lange vergessen. Sie haben ja dann auch 3:2 bei uns gewonnen und können doch froh sein, dass sie beim Pokal zumindest bis ins Viertelfinale gekommen sind.
Welche Ziele haben Sie sowohl sportlich als auch persönlich für die Zukunft?
Das nahe liegende Ziel ist natürlich wie bereits gesagt der Aufstieg in die dritte Liga. Dann möchte ich natürlich im Beruf soweit wie möglich kommen, das ist ganz logisch. Persönlich ist mir, wie ich auch bereits sagte, am Wichtigsten, dass ich wirklich gesund bleibe, damit ich meine Ziele, die ich mir gesetzt habe auch erreichen kann.
Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg beim Erreichen Ihrer Ziele!
