Ruhige Zeiten erlebt die SG Dynamo Dresden nicht in diesen Tagen. Probleme mit den Fans, Finanzen und dem Aufstiegskampf füllen jeden Tag aufs neue die Zeitungen. Mannschaftskapitän Martin Stocklasa sprach im Interview mit die-fans.de über die Saison, den Aufstieg, die aktuellen Konflikte zwischen Bernd Maas und den Fans, sowie das finanzielle Defizit des Vereins.
Herr Stocklasa, wie schätzen Sie den Saisonverlauf ein?
Ich glaube, wir sind gut gestartet. Wir hatten im ersten Spiel gegen Verl ein bisschen Mühe, das war ein typisches Eröffnungsspiel aber gegen Magdeburg haben wir uns dann wieder rehabilitiert. Ich würde sagen wir sind jetzt wieder im Soll. Wir haben uns im Derby durchgesetzt und sind jetzt mit einem Spiel weniger wieder in der Spitzengruppe dabei.
Also sind Sie soweit zufrieden?
Ja, auf jeden Fall. Natürlich muss man, wenn man Ambitionen hat, in Verl gewinnen, aber ein Auftaktspiel ist halt immer schwierig. Aber wenn man das zweite Spiel zu Hause dann wieder gewinnt, dann kann man damit leben.
Spüren Sie unter Eduard Geyer eine Veränderung?
Jeder neue Trainer bringt eine Veränderung mit. Eduard Geyer ist hier in Dresden eine Ikone. Er hat eigene Vorstellungen und in seiner ganzen Art polarisiert er natürlich. Klar, gab es Veränderungen, von seiner ganzen Gangart, die er anschlägt. Da muss man schauen, dass man dran bleibt als Spieler, denn der nimmt da keine Rücksicht und tut alles für den Erfolg.
Schafft er es und wenn ja wie die Stärken aus der Mannschaft herauszuholen?
Er verlangt natürlich von jedem Spieler enorm viel ab. Diejenigen, die sich durchsetzen, sind dann auch die, die es verdient haben, also die stärksten Spieler. Er verlangt schon sehr viel und ich denke, dass er durchaus versucht, das Letzte herauszukitzeln.
Denken Sie der Aufstieg ist machbar?
Wie man sieht, gibt es zurzeit fünf oder sechs verschiedene Mannschaften mit gleich vielen Punkten. Nach oben ist die Luft sehr dünn. Aber dieses Jahr ist es natürlich auch mit der dritten Liga, die viele Mannschaften attraktiv finden, wieder sehr schwer, weil jede Mannschaft jede schlagen kann. Ich denke schon, dass ein Aufstieg realistisch ist, aber vermutlich muss man wieder bis zum letzten oder zweitletzten Spieltag alles geben.
Was halten Sie von den aktuellen Geschehnissen aus der Fanszene um Bernd Maas?
Ich verurteile das. Persönlich wie auch als Kapitän der Mannschaft. Das kann nicht sein, dass gegen Privatpersonen so vorgegangen wird und das hat gar nicht mit Fußball zu tun. Ich habe dafür null Verständnis. Wir haben in unserer Mannschaft auch viele Familienväter und wenn jemand aus unseren Reihen von so genannten Fans so angegangen wird, während er seinen kleinen Sohn auf dem Arm hat, da fehlen mir eigentlich die Worte. Da gegen muss man vorgehen und wir als Mannschaft oder ich persönlich, wenn ich irgendwann mal so eine Szene miterleben würde, dann müsste ich auch mal dazwischen gehen. Es kann nicht sein, dass man Fußball mit irgendwelchen anderen Sachen verwechselt und da so gegen eine Einzelperson vorgeht.
Denken Sie die Ereignisse werden zu heiß gekocht?
Klar man könnte auch sagen, das waren irgendwelche Schmierereien, die vielleicht von jugendlichen Idioten hingekritzelt wurden. Aber bei solchen Sachen kann man eigentlich nicht genug darüber berichten, denn das gehört nicht dahin. Wenn dann aufgrund von Stadionverboten, die ausgesprochen wurden, meiner Meinung nach auch zu Recht, solche Aktionen gestartet werden, bin ich der Meinung, dass man nicht oft genug darüber berichten kann und die Öffentlichkeit darüber informieren. Damit wird ja auch vielen ein wenig die Luft aus den Segeln genommen.
Es gibt immer zwei Meinungen dazu. Es gibt auch Leute die sagen, man bietet für solche Idioten eine Plattform. Wir hatten im letzten Jahr auch einen Übergriff auf die Mannschaft, wo ich sage, das kann nicht sein, dass man tätlich gegen die Mannschaft vorgeht. Das wurde ja auch in der Presse breit getreten, dass nach dem Spiel am nächsten Tag einige Vermummte auf uns gewartet haben. Das sind so Dinge, wo ich sage, dass ist schlecht für die Außendarstellung des Vereins. Es gibt irgendwo Grenzen und wenn man dann sieht, das solche Schmierereien an den Wänden stehen und dann auch noch gegen diejenige Person beim Spiel, während er mit seiner Familie da ist, das man ihm da Schläge androht, da muss man einfach sagen, das geht zu weit. Gegen solche Idioten muss man vorgehen und da muss man schauen, dass man das in den Griff kriegt.
Was wurde denn gegen die Fans aus dem letzten Jahr unternommen?
Es wurden Anzeigen erstattet, einige Personen haben Stadionverbote erhalten. Ich kann gar nicht sagen, wie da der Stand der Ermittlungen ist oder ob da schon etwas bei raus gekommen ist. Es gab da viele Fernsehbilder und auch Zeugenaussagen. Aber das ist immer schwer. Das war eine Gruppe von etwa zwanzig, fünfundzwanzig Vermummten und das Ganze war wie eine Gegenüberstellung. Die hatten diverse Feuerwerkskörper und teilweise auch Schlagstöcke dabei, aber die Situation konnte dann von unserer Seite her durch Gespräche deeskaliert werden.
Ob sie nun wirklich gewaltbereit waren, sei dahingestellt. Nur wenn man Sonntag früh um neun in den großen Garten geht, um sich zu regenerieren und man weiß selber, dass man Scheiße gebaut hat und plötzlich kommen da Vermummte mit Feuerwerkskörpern und Schlagstöcken, da wird einem schon mulmig. Das war eine brenzlige Situation. Ich unterstelle niemanden, dass er wirklich gewaltbereit war, nur war das auch schon wieder ein bis zwei Schritte zu weit. Die ganze Außendarstellung hier in Dresden leidet darunter und wir hoffen, dass wir durch die sportlichen Erfolge, die wir hoffentlich erreichen können, das Ganze in ein bisschen in ein anderes Licht rücken können.
Was sagen Sie zu den fehlenden 1,2 Millionen Euro (die-fans.de berichtete)?
Wir wurden darüber ja schon zu einem früheren Zeitpunkt informiert. Wir wussten und wissen alle, dass es im Moment nicht unbedingt einfach ist, auch aufgrund des Stadionumbaus. Ich denke, wenn wir ein intaktes Stadion gehabt hätten, dann wären gegen Magdeburg vielleicht sogar 20.000 Leute da gewesen, jetzt waren es halt ‚nur’ 8.000. Andere Vereine in der Regionalliga wären froh, wenn sie so viele Zuschauer hätten. Aber wir leiden da jetzt ein bisschen drunter und klar wir haben einen großen Kader, man probiert natürlich alles, um Minimum in die dritte Liga zu kommen. Gleichzeitig probiert man natürlich nicht den Anschluss zu verlieren und vielleicht auch in die zweite Liga aufzusteigen. Es ist ein schmaler Grat, man sieht das ja teilweise bei Vereinen wie Lübeck, die jetzt schon finanzielle Probleme haben und schon angekündigt haben, dass sie den Lizenzantrag gar nicht stellen wollen.
Es ist ein schmaler Grat, aber die Situation ist jetzt nicht so prekär, dass man sagen müsste, der Lohn kommt nicht oder der Verein muss irgendwelche außergewöhnlichen Maßnahmen ergreifen. Es ist ein Defizit da, aber ich denke, wenn wir jetzt noch eine vernünftige Rückrunde spielen und uns wie anvisiert für die dritte Liga qualifizieren, vielleicht sogar noch mehr, ich glaube, dann bekommt man die Sache in den Griff. Die Situation im Stadion wird sich ja auch wieder bald ändern und dann kommen bestimmt auch wieder mehr Zuschauer und das Ganze beruhigt sich wieder.
Macht sich das auf die Stimmung in der Mannschaft bemerkbar?
Also das ist kein Thema. Bisher wurde kein Spieler vom Verein versetzt. Alles wurde fristgerecht bezahlt, auch die ganzen Prämien. Niemand ist in irgendeiner Form im Rückstand und das zeigt uns auch, dass der Verein bemüht ist, sich nichts nachsagen zu lassen. Dass man einen großen Kader hat, hat man Anfang des Jahres gewusst, auch dass es da vielleicht einige Probleme geben könnte. Der Verein wird sich da schon längere Zeit Gedanken drüber gemacht haben und in Dresden gibt es so viele, die für den Fußball leben und alles geben würden. Ich glaube, da gibt es immer Möglichkeiten, Leute zu finden oder Unternehmen, die bereit sind, Geld einfließen zu lassen.
Viel Erfolg für die Rückrunde und danke für das Interview.
