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„Wenn wir nicht aufsteigen, ist der Ofen hier aus“

Posted on 20. Februar 2008 by NOFB

Steffen Kellig will mit dem Chemnitzer FC in der Rückrunde die Qualifikation für die Regionalliga erreichen und steuerte zum Saisonziel schon zehn Saisontreffer in der Hinrunde bei. Der 27-Jährige überzeugt auch in seiner zweiten Saison für den derzeitgen Tabellenzweiten der Oberliga Nordost Süd als treffsicherer Stürmer. Kellig war vorher für Budissa Bautzen, den VFC Plauen, den VfB Chemnitz, Barkas Frankenberg und den Hainichener FV auf Torejagd. die-fans.de sprach mit dem jungen Vater über seine bisherige Fußballerlaufbahn, Angebote höherklassiger Vereine, gewaltbereite Fans und seine Ziele für die Zukunft.

Herr Kellig, wie sind Sie zum Fußball gekommen?

Ach, durch meinen Vater. Der hat mich immer, auf gut Deutsch, mit auf den Sportplatz geschleppt. So bin ich dem Fußball nahe gekommen.

Ihre sportliche Laufbahn begann beim Hainichener FV. Was haben Sie von dort mitgenommen und wie gut wurden Sie dort auf die künftigen Aufgaben vorbereitet?

Das war eigentlich eher ein richtiger Hobby-Fußballverein. Dort hatten wir teilweise einmal pro Woche Training. Das habe ich bis zu meinem achtzehnten Lebensjahr gemacht. Dort war nichts mit Profibedingungen. Dann bin ich zum SV Barkas Frankenberg gewechselt. Da habe ich dann im Männerbereich in der Bezirksklasse gespielt, also noch ganz weit unten. Dann bin ich irgendwie vom VfB Chemnitz entdeckt worden. Ich habe halt ein paar Tore in Frankenberg geschossen und dadurch bin ich zum VfB Chemnitz gekommen, die damals noch in der Oberliga gespielt haben.

Sind Sie zufrieden mit der Vorbereitung und wie stufen Sie die 1:3-Testspielniederlage gegen Braunschweig ein?

Unsere Vorbereitungsphase, inklusive des Trainingslagers in der Türkei, war sehr gut. Wir haben auch drei Freundschaftsspiele gehabt, die eigentlich auch sehr gut waren. Jetzt haben wir noch gegen Braunschweig verloren. Gut, da haben bei uns sechs, sieben Mann gefehlt. Das haben wir im hinteren Bereich gemerkt, da haben wir dann viel einfacher Tore kassiert. Ich habe noch einen Elfmeter verschossen. Aber gut, daran machen wir die Niederlage auch nicht fest und wir haben gute Angriffe nach vorne gehabt. Rundum sind wir eigentlich mit der Vorbereitung zufrieden.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie in das erste Spiel gegen Germania Halberstadt?

Gut, das ist natürlich schwierig dort oben, dort fahren wir eigentlich ungern hin. Mit denen haben wir sowieso noch eine Rechnung offen (Anm.d.Red.: Am ersten Spieltag verlor der CFC das Heimspiel gegen Halberstadt mit 1:2). Aber darüber wollen wir eigentlich auch nicht so reden. Wir wollen eigentlich nur dorthin fahren, um einfach nur zu gewinnen. Wir sind Favorit, egal ob wir da mit einem 14- oder 17-Mann-Kader hinfahren. Wir haben auf jeden Fall eine schlagkräftige Truppe, um dort zu bestehen.

Kann Chemnitz den Aufstieg schaffen und werden Sie sich die Torjägerkanone holen?

Jaaa! Auf jeden Fall, das werden wir schon klären.

Für mich persönlich wäre es schön, aber es ist kein Muss. Hauptsache, wir stehen am Ende ganz oben oder unter den ersten drei, was die Qualifikation für die Regionalliga bedeutet. Und der Rest ist Nebensache, aber es wäre vielleicht gut für mein Image.

Können Sie sich vorstellen den Verein zu verlassen, wenn es mit dem Aufstieg nicht klappen sollte?

Wenn es mit dem Aufstieg klappt, dann fällt Chemnitz auseinander. Hier geht es um die Existenz und wenn es der Verein, oder wir als Mannschaft, es nicht schaffen, aufzusteigen, dann geht alles den Bach runter. Dann gibt es keine Fernseh- und keine Sponsorengelder mehr, nichts mehr. Dann ist auf gut Deutsch der Ofen aus hier. Dann sind wir alle vertragsfrei und dann muss auch ich mich umschauen. Aber daran denke ich nicht und soweit wird es auch nie kommen.

Sie waren immer einer der erfolgreichsten Torschützen der Oberliga Nordost Süd. Gab es keine Anfragen von höherklassigen Vereinen?

Ich sage mal so, ich fühle mich eigentlich hier total wohl. Wenn ich gewollt hätte, dass ich woanders hätte Fußball spielen können und eine Liga höher, dann hätte das auch geklappt mit meinem Berater. Aber ich wollte hier nicht weg und Chemnitz hat mir ein gutes Angebot gemacht. Mir gefällt es hier und ich muss sagen, dass ich hier überglücklich bin. Hier passt alles. Für zwei Euro mehr muss ich nicht woanders Fußballspielen und habe dort vielleicht keinen Spaß.

Was waren die Gründe für Ihren Wechsel von Bautzen zum Chemnitzer FC?

Auf jeden Fall erstmal, dass Chemnitz ein ambitionierter Verein ist. Der Chemnitzer FC hat einen großen Namen hier im ostdeutschen Raum. Hier entwickelt sich langsam etwas, der Verein ist jetzt im ruhigeren Fahrwasser und hat jetzt ein ordentliches Präsidium. Die Sponsoren, die weg waren, sind jetzt wieder da. Da gab es für mich eigentlich kein langes Überlegen und ich bin natürlich der Heimat verbunden. Das sind von mir aus zwanzig Minuten, dann bin ich am Trainingsplatz. Das Gesamtpaket ist halt hervorragend hier in Chemnitz.

In wie weit haben Sie Kontakt zu den Fans und wie wichtig sind diese für die Mannschaft?

Zu den Fans habe ich eigentlich einen sehr guten Kontakt. Gerade in Frankenberg, wo ich wohne, sind zwei Drittel der Leute Fans vom Chemnitzer FC. Wenn man dann einkaufen geht, quatscht man über Fußball, das ist schon ganz angenehm.

Ja, das ist unser Faustpfand. Gerade auswärts in Dresden-Nord oder so, wenn die sonst spielen, haben die 200 Zuschauern und, wenn wir mit den Fans kommen, sind dort 700. Das ist unser Faustpfand und das macht schon ordentlich Spaß vor so einer Kulisse zu spielen, auch zu Hause vor 3.000, 4.000, das ist schon ordentlich.

Sie haben sich für die Werbekampagne für den Kampf gegen Hooligans fotografieren lassen. Wie wichtig erscheint Ihnen der Kampf gegen gewaltbereite Fans?

Das muss jetzt endlich mal aufhören. Das hat ja in den letzten eineinhalb Jahren überhand genommen, obwohl wir, das muss ich betonen, in Chemnitz damit keinerlei Probleme haben, zumindest bei den Heimspielen. Zu Hause passiert eigentlich gar nichts, das ist halt nur auswärts und das sind auch nur ein, zwei Leute. Ich sage mal, es gibt Vereine, die schlimmer dran sind mit ihren Fans. So große Probleme haben wir mit unseren eigentlich nicht und das ist eher selten der Fall. Aber trotzdem finde ich so eine Kampagne sehr gut.

Was machen Sie, wenn Sie nicht Fußball spielen?

Ach, da habe ich noch meinen Sohn. Meistens treffe ich mich mit Freunden. Nichts Besonderes eigentlich.

Haben Sie ein sportliches Idol und/oder einen Traumverein, bei dem Sie mal spielen möchten?

Früher da war ich mal ein bisschen Fan von Borussia Dortmund (lacht) und bin ein leichter Sympathisant. Marco van Basten hatte ich mal als Vorbild, das kann ich dazu sagen.

Wie sehen Sie Ihre persönliche Entwicklung in den vergangenen Jahren und an welchen Schwächen müssen Sie noch arbeiten?

Die Entwicklung ist eigentlich sehr positiv verlaufen. Ich denke mal, sonst wäre ich jetzt nicht hier in Chemnitz gelandet, sondern irgendwo weiter unten. Seit meinem Wechsel von Plauen zu Bautzen hat es dann geklappt, mit dem regelmäßigen Tore schießen, seit dem hält es an und ich versuche das auch weiter so zu machen.

Die Schwächen sind geheim, die darf ich nicht verraten. (lacht)

Was sind sowohl Ihre sportlichen als auch privaten Ziele für die Zukunft?

Die Gesundheit meiner Familie und aller, die mir nahe stehen. Sportlich so hoch wie möglich zu kommen, aber in kleinen Etappen. Das war es eigentlich schon.

Vielen Dank für das Gespräch und ich wünsche viel Erfolg für die Rückrunde.

Zur Tabelle der Oberliga Nordost Süd

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