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„Heimstärke…ist ein Wort für Statistiker“ – Markus Fendyk im Gespräch

Posted on 15. Januar 2008 by NOFB

Die SpVgg. Ludwigsburg steht derzeit auf einem Aufstiegsplatz. Allerdings darf man die Konkurrenz nicht vernachlässigen, denn es bewerben sich gleich mehrere Mannschaften um den Aufstieg, die sehr nahe beieinander sind. die-fans.de sprach mit dem Trainer Markus Fendyk über die Hinrunde und die Heimstärke der Mannschaft

Wagen Sie bitte einen Rückblick auf die gespielte Hinrunde.

Letztendlich können wir auf eine sehr positive Hinrunde zurückblicken. Vor allem, weil wir in den letzten Jahren immer viel schlechter in die Saison gestartet sind. In dieser Hinrunde konnten wir das Blatt endlich einmal wenden und von Anfang an vorne mitspielen. Wir waren immer im oberen Tabellendrittel platziert. Das haben wir auch bis zur Winterpause gehalten. Wir sind auf Platz zwei und haben auch sogar noch ein Nachholspiel. Dennoch weiß ich natürlich, dass die Meisterschaft letztendlich aufgrund der Konstanz über die gesamte Saison entschieden wird. Die derzeitige Tabelle ist ja nur eine Momentaufnahme. Was wir sagen können ist, dass wir im Moment besser dastehen als zum gleichen Zeitpunkt in den Jahren zuvor. Mehr aber auch nicht. Uns ist durchaus bewusst, dass in der Rückrunde noch ein hartes Stück Arbeit vor uns liegt. Aber insgesamt kann ich mit der Leistung der Mannschaft sehr zufrieden sein. Es gibt schon ein paar Dinge, die man noch verbessern kann. Aber an diesen Schwächen werden wir in der Vorbereitung feilen. Und dann werden wir diese Probleme auch in den Griff bekommen. Im Großen und Ganzen bin ich aber durchaus zufrieden

Sie haben keines Ihrer Heimspiele verloren. Woran machen Sie ihre Heimstärke fest?

In den vergangenen Spielzeiten waren wir nicht so heimstark. In diesem Jahr haben wir uns auch des Öfteren in gewisse Spiele wieder reingekämpft. Auch gegen gute Mannschaften konnten wir das Blatt wenden und einen Rückstand wieder geradebiegen. Es stimmte ganz einfach der Teamgeist. Ob die Erfolge unbedingt etwas mit der Heimstärke zu tun haben, kann ich nicht sagen. Das ist ein Wort für Statistiker. Wir sind immer engagiert aufgetreten. Auch in den Auswärtsspielen. Das muss man auch festhalten. Wir haben viel mehr Punkte auf gegnerischem Platz geholt, als die Jahre zuvor. Aber klar, unterm Strich sind wir zu Hause noch unbesiegt. Und wenn das in der Rückrunde so bleibt, ist mir das bestimmt nicht unrecht. Ich will trotzdem nicht von Heimstärke sprechen.

Wir haben schon ein sehr schönes und großes Stadion mit einer großen Rasenfläche. Da tun sich einige Mannschaften vielleicht schwer. Aber es ist auch für uns nicht immer einfach das Spiel aufzuziehen. Viele Mannschaften stellen sich eben hinten rein und mauern zu. Da kommen uns vielleicht unsere technischen Fertigkeiten zu Gute. Wir können den Gegner ganz gut ausspielen. Aber man muss auch laufstark sein. Und wir haben auch immer versucht, zu Hause Druck aufzubauen. Das kostet Kraft.

Und vor allen Dingen versuchen wir, erst mal nicht in Rückstand zu geraten. Wir wollen vermeiden, in den Heimspielen nicht einfach bind gegen den Gast anzurennen. Wir wollen schon einen gewissen Aufbau einhalten. Durchaus eine offensive Ausrichtung, aber es ist wichtig zu schauen, dass in der Defensive nie in Unterzahl gespielt wird. Mindestens Gleichzahl. Am besten sollten wir hinten immer ein Mann mehr sein. Aber da benötigt man eben dementsprechendes Engagement.

Bei manchen Mannschaften ist es sicherlich so, dass sie zu Hause viel mehr Punkte holen als auswärts. Vielleicht, weil deren Stadien kleiner sind, und die Zuschauer viel näher am Spielfeld sind. Aber bei uns ist die Bilanz von Heim- und Auswärtssiegen relativ ausgeglichen. Dass wir zu Hause noch keine Niederlage haben, tut uns natürlich gut. Das kann man so stehen lassen. Aber ob man deswegen von Heimstärke sprechen kann…

Die vergangene Saison 2005/2006 schlossen Sie mit einem achten Tabellenplatz ab. Nun befinden Sie sich auf Rang 2. War diese gute Platzierung zu erwarten?

Ich sag mal so: Die Experten im eigenen Hause waren schon immer der Meinung, dass Ludwigsburg weiter oben mitspielen sollte, und dies auch kann. Zumindest wurde das erhofft. Aufgrund des Spielerkaders für diese Saison – man hat zwei, drei wirklich gute Leute verpflichtet – wurde von manchem schon erwartet, dass wir endlich mal oben mitspielen. Denn in den letzten Jahren hat es eben nicht funktioniert. Aber man kann eine solche Platzierung nicht einfach als Prognose in den Raum stellen und erwarten, dass dieser Fall eintreten wird. Es sind halt sechs, sieben Mannschaften dabei, die um den Titel spielen in dieser Verbandsliga. Es steckt bestimmt mehr Arbeit hinter dieser Platzierung, als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Ich erinnere nur daran, dass wir den achten Platz am Ende der Saison 2006/2007 nur aufgrund des letzten Sieges erreicht haben. Davor waren wir auf Rang 12 oder 13 und hätten auch noch absteigen können, wenn alles gegen uns gelaufen wäre.

Es ist einfach alles sehr nah beieinander in dieser Verbandsliga. Dass wir jetzt oben stehen, ist auch ein Verdienst des gesamten Teams. Auch die Neuverpflichtungen haben ihren Teil dazu beigetragen. Wir haben einen Spieler, der von Sonnenhof Großaspach kam, und bereits für die Stuttgarter Kickers spielte. Das sind natürlich Spieler, die ihre Leistung bei uns in der Verbandsliga mehr als nur abrufen. Die haben uns Sicherheit im Spiel gegeben. Und dann bemerkten eben andere Spieler auf einmal, dass heuer ja wirklich was zu holen ist. Alle Spieler kämpfen bis zum Schluss. Die Spieler, die schon höherklassig gespielt haben, legen eine vorbildliche Einstellung an denn Tag. Wir funktionieren als Team einfach besser. Ich könnte, und müsste, jeden einzelnen Spieler herausheben.

Durch diese Einstellung haben wir uns dann, auch durch mancherlei Ergebnis, als es nicht so prima lief, nicht unterbringen lassen. Wir sind einfach unserer Linie treu geblieben. Vielleicht ist das ein kleiner Erfolgsgarant gewesen. Wir sind einfach als Team näher zusammengerückt. Als ich am Anfang meiner Arbeit stand, hat das Team noch nicht so richtig harmoniert, wie es in einer Mannschaft mit mehreren Individuen sein sollte. Da hat teilweise ein Rad nicht ins andere gegriffen. Dann habe ich die Positionen etwas umgestellt – auf eine ‚Doppelsechs’ – und dadurch in der Mitte mehr zu gemacht. Das ist meiner Meinung auch ein kleiner Garant für unseren Erfolg.

Aber es kann so schnell gehen. Und wenn wir am Ende wieder Sechster oder Siebenter werden, wird man sicherlich Stimmen vernehmen, die sagen, dass wir heuer auch nicht besser waren als die Jahre zuvor. Man muss aufpassen! Ich versuche schon, die Euphorie in Ludwigsburg zu dämpfen und den Druck etwas abzubauen. Denn ich weiß, dass es allzu schnell gehen kann. Auch aus meiner aktiven Zeit in diversen Ligen. Man läuft da Gefahr zu denken, dass es immer so weiter geht

Ob wir den Erwartungen in der Rückrunde entsprechen werden, ist das große Fragezeichen. Wir müssen ganz einfach die gleiche Leistung wie in der Vorrunde abrufen. Wenn wir dann ähnlich viele Punkte wie in der Hinrunde holen, werden wir mit Sicherheit um die ersten drei Plätze mitspielen. Aber so eine gute Halbserie muss man auch erst einmal wieder hinlegen. Zum sportlichen Erfolg der Hinrunde kam auch hinzu, dass wir bis auf einen längerfristigen Verletzten keine weiteren Ausfälle zu beklagen hatten. Und wenn es in der Rückrunde auch so gut läuft, dann können wir zumindest personell ähnlich agieren wie in der Vorrunde. Wenn man wenige Ausfälle hat, muss man auch nicht viel improvisieren und variieren. Sollte es so bleiben, dann haben wir diesmal vielleicht das Glück, oben dabei zu bleiben.

Gibt es Veränderungen im Kader? Zu- oder Abgänge?

Ich brauche in jedem Fall noch einen Stürmer. Da haben wir im Moment etwas Schwierigkeiten. Stürmer, die unbedingt zu einem Verbandligisten wechseln, gibt es nicht viele. Und außerdem kosten diese Spieler natürlich auch Geld…

Der Stürmer Marius Friedel verlässt uns zur Winterpause. Außerdem verhandeln wir derzeit noch mit einem Nachwuchsstürmer, der den Verein wechseln möchte. Ich würde ihn allerdings gerne behalten. Aber er will sich einfach nicht mit der Joker-Rolle begnügen. Er möchte dieses kommende halbe Jahr bis zur nächsten Saison einfach nicht mehr warten. Unbedingt freigeben wollen wir ihn nicht, aber wenn die Ablösesumme stimmt, dann kann er gehen. Dann haben wir im Grunde nur noch drei Stürmer. Das ist einer zu wenig. Von diesen drei ist einer noch nicht einmal ein gelernter Stürmer, sondern kommt eher aus dem offensiven Mittelfeld und agiert als dritte Spitze. Neben den anderen zwei bräuchte ich eigentlich schon noch einen vierten Stürmer. Vielleicht können wir noch einen verpflichten, aber das müsste jemand sein, der uns tatsächlich aufgrund seiner Qualität verstärkt. Wenn nicht, werden wir eben mit dem vorhandenen Kader durchkommen.

Was denken sie, ist ausschlaggebend für den Erfolg in dieser Saison?

Der gute Start in die Saison hat uns schon sehr viel Selbstvertrauen gebracht. Die ersten vier, fünf Spiele wollte ich 12 bis 13 Punkte holen, das war mein Ziel. Denn wenn man dann vorne dran steht und vielleicht einmal nur Remis spielt, bleibt man dennoch in der Spitzengruppe drin. Wir hatten natürlich auch die entsprechenden Paarungen, in denen wir dieses Ziel in die Tat umsetzen konnten. Das war der Schlüssel. Man weiß ja nie so richtig, wie man aus der Vorbereitung rauskommt. Wir hatten ein paar gute und ein paar schlechte Spiele. Da weiß man nie sicher, ob man nun gut trainiert hat, oder vielleicht doch nicht. Das erste Punktspiel stellt dann schon ein wenig die Weichen. Wenn man im ersten Spiel, wie wir, drei Punkte einfährt, gewinnt man einfach an Selbstvertrauen. Man hat – zumindest denkt man so – vieles richtig gemacht. Auch einzelne Spieler denken dann positiver über sich selbst. Da kommt man am Anfang in eine kleine Euphoriewelle, in der man vielleicht sogar eine kleine Serie hinlegen will. Die Tabelle dann von oben herab betrachten zu können, ist natürlich ein ganz anderer Anreiz, als am Ende ständig gewinnen zu müssen. So war es, als ich hier meinen Job antrat. Da hatten wir nach der Hinrunde 18 Punkte und mussten jedes Spiel gewinnen, um nicht in den Abstiegskampf zu geraten. Und jetzt, wenn man oben dabei ist, kann man selbst einen kleinen Punktverlust verkraften, ohne gleich aus dem Rennen zu sein. Da kann man eben auch mal taktieren, und vielleicht mit nur einem Punkt nach Hause gehen, und nicht ständig auf Risiko spielen. Somit war unser Saisonstart ausschlaggebend für die weiteren guten Spiele.

Außerdem habe ich versucht, weniger Gegentore zu bekommen. Sogar, als sich unser Innenverteidiger verletzt hatte, und ich gezwungen war, umzustellen, haben wir Defensiv sehr gut gespielt. Wir haben den Ausfall sehr gut kompensieren können. In dieser Zeit haben wir übrigens kein Spiel verloren. Mancheiner dachte bereits, jetzt geht es wieder bergab. Aber im Gegenteil! Wir haben super Spiele abgeliefert und kaum Gegentore eingefangen. Ich glaube, dass es sehr wichtig war, zu versuchen, in der Defensive gut zu stehen und keine Gegentore zu bekommen. Als ich die Mannschaft übernahm, hatten wir, ich glaube, fast 40 Gegentore, und jetzt haben wir vielleicht die Hälfte! Wir machen zwar auch nicht so viele Tore, aber die die wir machen, reichen uns letztendlich.

Die Umstellung auf eine defensivere Spielweise war die erste Änderung, die ich in Ludwigsburg vorgenommen habe. Uns war wichtig, nicht immer sofort ins offene Messer zu laufen. Wenn man sich die Mannschaften ansieht, die in den letzten Jahren in die Oberliga aufgestiegen sind, wird man erkennen, dass diese Teams immer die wenigsten Gegentore zu beklagen hatten. Im heutigen Fußball muss man nach vorne schon risikofreudig spielen, aber umgekehrt muss man nach hinten einfach ein kompaktes Abwehrverhalten an den Tag legen. Und das haben wir geschafft. Deswegen stehen wir auch derzeit so weit oben in der Tabelle. Wir haben die Marschroute eben etwas verändert und kontrollierter gespielt.

Auf welchem Rang steht Ludwigsburg am Ende?

(lacht) Als Trainer kann ich eigentlich nur in einzelnen Trainingseinheiten forcieren, dass wir topfit sind. Seitdem ich die Mannschaft übernommen habe, hatten wir noch konditionell noch nie Probleme. Die Einstellung hat bisher immer gestimmt. Ich denke, wenn wir in der Vorbereitung wieder ähnliches leisten wie in den letzten Jahren und konsequent an uns arbeiten, dann müssen wir ganz einfach unter den ersten drei sein. Das muss das Ziel sein. Wir werden Der ganze Verein will, dass wir uns am Ende unter den Top 3 der befinden. Eine definitive Prognose will ich aber nicht wagen. Da bin ich etwas abergläubisch, denn man braucht, wie gesagt auch immer etwas Glück, wenn man aufsteigen will. Und in dieser Saison war es bisher eher auf unserer Seite. Wenn es sich in der Rückrunde ähnlich verhält, dann liegt es an uns, auf den ersten drei Plätzen zu bleiben. Aber versprechen kann ich natürlich nichts. Schön wärs…

Danke für das Gespräch und viel Glück für die Rückrunde!

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