Natürlich waren die Erwartungen vor dem Spiel wieder höher geschraubt, vor allem bei den Zuschauern, welche den grandiosen Sieg in Unterzahl in der Vorwoche in Fürstenwalde erleben durften. Es konnte natürlich niemand ahnen, dass sich die Stahl-Elf wie völlig verwandelt präsentierte. Zerfahrenheit, fehlende Übersicht und selbstverliebte Ballspielereien statt einer geschlossenen Mannschaftsleistung und Kampf waren an der Tagesordnung. Dem FC Stahl Brandenburg fehlte es zudem am nötigen Biss, welcher in der Vergangenheit oft Punkte sichern konnte
Die Luckenwalder gestalteten ihr Spiel auf ebenso geringem Niveau. Chancen waren auf beiden Seiten Mangelware. So blieben lediglich harmlose Schussversuche von Hasan Akkus in der dritten Minute und auf der anderen Seite von Francisco Lima in der 12. zu vermelden. Klarer war da schon die Freistoßmöglichkeit in der 15. Minute von „Momo“ Tahmaz, dessen Schuss von Gästekeeper Matthias Werner abgewehrt wurde, der Ball sich danach aber noch einmal gefährlich auf die Latte senkte. Mehr gab es zur ersten Halbzeit nicht zu vermelden.
Die zweite Hälfte begann aus Brandenburger Sicht druckvoller. Kevin Daszenies rutschte fünf Meter vor dem Tor in den Ball, welcher jedoch knapp über die Latte ging. In der 55. Minute dann war es wieder Daszenies, welcher nach einem Freistoß im Fünf-Meter-Raum zum Kopfball kam, der Ball jedoch das Tor nur im Haaresbreite verfehlte. Auf der anderen Seite vergab Muhamet Hoxha mit einer Freistoßmöglichkeit und Lima konnte den Ball am herauseilenden Jurzik vorbei nur ins Aus schieben. Danach flachte das Spiel wieder ab. Auf den Rängen herrschte dem Spielverlauf entsprechend lethargische Tristesse. Erst kurz vor Schluss versuchten die Zuschauer, ihre Mannschaft nach vorne zu treiben. Größte Möglichkeit hatte in dieser Phase Tahmaz, als er sich durchsetzte, dann jedoch Matthias Werner anschoss. Beim Versuch, den vom Torwart abprallenden Ball im leeren Gehäuse unterzubringen, scheiterte Tahmaz an Abwehrspieler Lederer, welcher im letzten Moment mit gestrecktem Bein retten konnte. Der von Luckenwaldes Trainer Frieder Andrich kurz vorher eingewechselte Marsel Shahin hatte daraufhin mit einem sehenswerten Schuss die Möglichkeit zur Führung, welche jedoch von Jurzik zunichte gemacht wurde. Die erzielte eine Minute vor dem Ende Francisco Lima. Nach einem Freistoß von Steffen Grunert prallte der Ball von Markus Marx unglücklich vor die Füße des einschussbereiten Brasilianers. Über hohe Bälle versuchte der FC Stahl noch zum Ausgleich zu gelangen, jedoch gehörte die Lufthoheit im Strafraum eindeutig den Luckenwaldern.
Einen Sieger hatte dieses Spiel wahrlich nicht verdient. An diesem Tage kam das glücklichere, jedoch nicht bessere, Team aus Luckenwalde. Viel Arbeit also in der kommenden Woche für Stahl-Coach Eckart Märzke, der nach Spielschluss maßlos enttäuscht war. Ebenso wie die Fans, welche nahezu wortlos abwanderten. O-Ton eines Zuschauers: „Ich habe in dieser Saison noch keine Mannschaft gesehen, welche Stahl nicht hätte schlagen können. Fraglich nur, warum dieses Potential nicht ausgeschöpft wird.“ Einfacher wird es sicher nicht, denn vor dem Derby am 1. Oktober muss der FC Stahl den schweren Gang in den Spreewald zur starken SG Burg antreten. Bleibt trotzdem die vage Hoffnung auf einen Punktgewinn, da sich die Mannschaft in dieser Saison auswärts besser präsentiert als in Heimspielen.
FC Stahl Brandenburg spielte mit: Jurzik – Wilhelm, Marx, Yatkiner (64. Leffs) – Müller, Daszenies, Janke, Gühne (75. Kahl), Akkus -Tahmaz, Posorski (46. Hanack)
Zuschauer: 290
Tore: Fransisco Lima (89.)
Torsten Gränzer
