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„Es ist schon ein seltsames Gefühl“

Posted on 23. Juni 2008 by NOFB

Seit über einem Jahr trainiert Stefan Karow (alias ‚reuscher’) die erste Männermannschaft des Kröpeliner SV 47. Dass der 34-Jährige diesen Posten bereits in so jungem Alter übernommen hat, hat er einem Handgelenkbruch zu ‚verdanken’, durch den er seine Torhüter-Laufbahn beim Verbandsligisten Sievershäger SV 1950 frühzeitig beenden musste. Was ‚reuscher’ während seiner bisherigen Fußballlaufbahn so alles erlebt hat, kann aus seinen Antworten auf unsere Fragen abgelesen werden.

Stefan, wie und durch wen bist Du überhaupt zum Fußball gekommen?

Durch meine Kumpels bin ich zum Fußball gekommen. Jeden Nachmittag trafen wir uns auf den Wäscheplätzen und zwischen den Häuserwänden zum Bolzen. Praktisch mit der Einschulung bestand dann auch die Möglichkeit im Verein Fußball zu spielen.

Was konntest Du aus der Anfangszeit mitnehmen und welche Persönlichkeiten haben Dich am Stärksten geprägt?

Ja, was konnte ich mitnehmen? Das man sich durch fleißiges, regelmäßiges und intensives Training stetig verbessert – auch wenn man nicht ‚das Talent’ ist. Der Wille und Fleiß ist entscheidend. Geprägt haben mich dabei viele Menschen, einzelne herauszupicken wäre etwas unfair.

Für welchen Verein schlägt Dein Herz und warum – was verbindet Dich mit Deinem Verein, wie und wann wurdest Du Fan?

Fan im eigentlichen Sinne bin ich nicht. Natürlich hängt mein Herz am Kröpeliner SV. Aber auch die anderen Vereine, in denen ich aktiv war, interessieren mich noch sehr.

Seit wann bist Du in Deinem Verein als Trainer tätig, für welche Mannschaft bist Du zuständig und was waren die Gründe, die dazu geführt haben, das Amt zu übernehmen?

Seit dem 1. April 2007 bin ich offiziell Trainer der ersten Männermannschaft in Kröpelin. Die Gründe? Na sagen wir, es war ein unglücklicher Umstand! Wenige Tage zuvor brach ich mir bei meinem damaligen Verein, dem Sievershäger SV 1950, das Handgelenk und musste meine aktive Zeit als Torwart zwangsläufig beenden. Ich hatte zu der Zeit noch immer Kontakt zum KSV und merkte wie ‚mein’ Verein die guten Fußballzeiten mehr oder weniger ‚verschlampte’. Ich wollte in irgendeiner Weise helfen und versuchen, dem KSV neue Impulse zu geben. Naja, das Ergebnis ist bekannt. Wir bekamen die Kurve und retteten uns vor dem drohenden Abstieg.

Könntest Du Deine fußballerische Laufbahn bis zu Deiner jetzigen Tätigkeit beschreiben und gab es in den Jahren besondere Erlebnisse, an die Du Dich immer wieder gern erinnerst?

Mit sieben Jahren trat ich der BSG Traktor Satow bei und spielte dort von 1981 bis 1989 als Keeper in diversen Altersklassen. Durch ein Bezirkspokalspiel gegen den FC Hansa Rostock (u.a. mit Carsten Jancker) wurden die Verantwortlichen auf mich aufmerksam und ich wurde zum Test eingeladen. Ob er erfolgreich war oder nicht, kann ich nicht mal sagen, denn kurz nach dem Test brach ich mir bei einem Verkehrsunfall den linken Unterschenkel. Zumindest wurde ich weiterdelegiert zu Dynamo Rostock. Dort spielte ich bis zu meinem 16. Lebensjahr, ehe ich in den Männerbereich zu meinem Heimatverein, dem SSV Satow, zurück wechselte. Von dort verschlug es mich weiter zum SV Reinshagen, bevor ich zum Kröpeliner SV wechselte. Hier feierte ich meine größten Erfolge mit den Aufstiegen in die Bezirks- und Landesliga. Zwischendurch war ich noch ein halbes Jahr in Bützow, mit mäßigem Erfolg. Dann kam nach zehn Jahren Kröpelin das Angebot aus Sievershagen und ich kam in den Genuss, zweieinhalb Jahre Verbandsliga zu spielen. Ja und dann kam der 26. März 2007, plötzlich war Schluss mit dem aktiven Fußball.

Dennoch, in jedem Verein gab es schöne Momente. Die Kreispokalsiege mit Reinshagen und Satow, die Aufstiege in Kröpelin, die Verbandsligaspiele in Sievershagen. Besser kann es grundsätzlich nicht laufen.

Gab es über die Jahre gesehen auch Dinge, die Du im Nachhinein anders machen würdest und wenn ja, was?

Es gibt immer Dinge, die man hätte besser machen können, allerdings kann man auch nicht alles selber beeinflussen! Man versucht aus allen Situationen das Beste draus zu machen.

Stefan ‚reuscher’ Karow bei einer Pokalübergabe.

Was ist das für ein Gefühl an der Seitenlinie, wenn man als Trainer in der Verantwortung steht, aber nicht direkt ins Geschehen eingreifen kann?

Es ist schon ein seltsames Gefühl. Als Spieler kannst du das Spiel ja lenken, direkt beeinflussen. Als Trainer ist deine ‚Arbeit’ unter der Woche, direkt vor dem Spiel oder in der Halbzeit. Andererseits reagierst du nur noch auf bestimmte Situationen. Wobei ich sagen muss, beides hat seinen Reiz. Nur an der Linie wird man viel, viel älter. (lacht)

Was möchtest Du Deinen Spielern gerne vermitteln, auf was legst Du besonderen Wert?

Besonderen Wert lege ich natürlich auf Disziplin und Respekt. Typisch deutsch denkt jeder, aber ohne diese Grundeigenschaften ist es schwer, Spielern etwas zu vermitteln und eine einheitliche Linie zu fahren.

Natürlich möchte ich gerne attraktiven Fußball spielen lassen, die Jungs auch im taktischen Bereich schulen. Leider ist es heutzutage so, dass viele auswärts arbeiten und man nur beschränkte Möglichkeiten hat.

Wie klappt bei Euch die Zusammenarbeit innerhalb des Vereins, gibt es auch Probleme?

Die Zusammenarbeit ist o.k., klappt gut. In Kröpelin hat sich einiges entwickelt und ich denke, wir sind vereinstechnisch sehr gut aufgestellt. Probleme gibt es natürlich auch, die werden aber intern geklärt.

Wie sieht Euer Verhältnis zu anderen Vereinen und den Verbänden aus?

Ich denke, auch hier hat sich viel getan. Wir haben uns einen gewissen Respekt und Anerkennung erarbeitet. Schließlich sind wir in den letzten Jahren die erfolgreichste Mannschaft im (Alt)Kreis Bad Doberan. Klar gibt’s auch Neid, gerade hier im Forum, aber das ist ja normal und auch gut so! Sonst hätten ja einige nichts zu kritisieren

Wie ist Dein Verhältnis zu den Anhängern des Vereins und haben diese Verständnis für Deine Arbeit und Deine Entscheidungen?

Da müsste man die Anhänger fragen. Fakt ist, wir hatten in der letzten Saison im Schnitt 150 Fans pro Heimspiel, der KSV ist also interessant. Es passiert ja auch eine Menge, der personelle Umbruch, die Spielweise, das Umfeld.

Ich kenne natürlich viele der Fans, teilweise habe ich ja mit ihnen zusammen gekickt und sie wissen, dass ich ehrgeizig bin und Ziele habe. Für diese Ziele gebe ich alles, auch wenn es vielleicht unpopuläre Entscheidungen gibt, allerdings kann ich diese ohne schlechtes Gewissen vertreten. Ich bin ja täglich an der Mannschaft!

Was lief in der abgelaufenen Saison gut, was hätte besser klappen können und was nimmst Du für Dich ganz persönlich mit?

Wir haben eine gute Saison gespielt. Ich sprach den Umbruch ja bereits an. Die Mannschaft hat sich entwickelt und sehr viel dazugelernt. Dass sie noch zu unkonstant spielt, ist, denke ich, normal. Wir waren sogar für einen Spieltag Tabellenführer, sprich so schlecht kann unser Weg nicht sein. Allerdings ist es leider so, dass wir nur einen Stamm von acht, neun Leuten haben, die fast alle Trainingseinheiten absolvierten konnten/wollten. Hier gilt es anzusetzen, auch wenn die Arbeit und Familie immer an Nummer eins stehen muss! Für mich persönlich nehme ich mit, dass etwas mehr Ruhe auch ganz gut tut, wobei es immer ein schmaler Grad sein wird.

Wie soll es in der nächsten Saison weitergehen, was darf man von Euch erwarten?

Wir sind schon seit einigen Wochen in der Saisonplanung. Die Testspiele stehen schon lange fest. Hier wird uns in Kröpelin ein schönes Spiel (VfB Lübeck) bevorstehen. Eine Art ‚Danke’ für unsere Fans! Und auch hier haben wir bewiesen, was alles möglich ist!
Personell sieht es so aus, dass uns die letzten ‚alten’ Spieler verlassen, wir dann aber für die nächsten Jahre das ‚Problem’ Ü35-Abwanderer nicht mehr haben. Wir starten mit der jüngsten KSV-Mannschaft aller Zeiten in die neue Saison. Es wird wieder heißen lernen, fleißig trainieren und sich weiterentwickeln!

Was sind Deine Ziele für die Zukunft, was willst Du unbedingt noch erreichen?

Wenn ich die Entwicklung (Spielklassenreform) sehe, wird es so kommen, dass Mannschaften in unsere Liga aufsteigen, die unter normalen Umständen nie Landesliga spielen würden. Ich denke, das Niveau wird schwächer, ohne den Teams zu nahe treten zu wollen. Sprich ein Aufstieg des KSV wäre mein persönliches Ziel. Allerdings muss man weiter seine Hausaufgaben machen, aber wer mich kennt. 🙂

Nun hab ich die ganze Zeit über die Männermannschaft des KSV und meine Tätigkeit als Trainer dort berichtet. So ‚nebenbei’ trainiere ich ja auch noch die E-Jugend des FC Förderkader René Schneider. Und das macht richtig Spaß. Die Jungs (neun bis zehn Jahre) spielen auf richtig gutem Niveau! Ich hoffe natürlich, dass ich hier etwas beitragen kann und vielleicht mal einen zukünftigen Profi trainieren durfte…und wenn’s nicht reichen sollte, in sieben bis acht Jahren wären das sehr gute Fußballer für den Kröpeliner SV 47.

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